Friday, November 20, 2009

Twittered Revolution, Servolution, Mauerfall... Michael Michalsky spürt Trends auf

Originalartikel von Jafeth Mariani: LINK



Großunternehmen gehen in Konkurs, Zeitungen können kaum überleben,  Universitäten leiden unter einem mangelhaften Bildungssytem, Arbeiter und Studenten protestieren.... ein neuer Geist weht durchs Land, und wer nicht aufpasst, muss mit Konsequenzen rechnen. Manche spüren diesen Geist auf und wissen es in ihrer Arbeit einzufangen, wie Modezar Michael Michalsky.


1)  FRIEDLICHE REVOLUTION

„Es wird jeden Tag schlimmer!“ ist in den aktuellen Zeiten der Finanzkrise und durch zusätzliche Probleme, die über diese hinaus gehen, von allen Seiten zu hören.

Doch wenn man genau hinsieht, kann man aus dem Trümmerfeld auch ein paar neue zarte Blüten hervorsprießen sehen. Als alles noch eine einigermaßen vorhandene Stabilität aufwies, hat sich kaum jemand beschwert und alle haben zu Hause vor dem Fernseher gewartet, dass alles besser wird oder irgend ein Super-Obama uns rettet.

Wenn sprichwörtlich nichts mehr geht, bekommen Menschen Angst. Trotz der Tatsache, dass es meistens bereits viel zu spät ist, gehen sie auf die Straße.

Das macht mir Hoffnung, weil dies ein gesunder Geist der Revolution ist, der hoffentlich gewaltlos verlaufen und auch bleiben wird. „Revolution“ klingt wie etwas Riesiges, eventuell mit vielen Opfer und negativen Konsequenzen verbunden, doch das Wort selbst kommt von "revolvere", auf lateinisch bedeutet es "Umdrehung". Es geht also darum etwas in sein Gegenteil zu verkehren, in dem Fall einen unerträglichen Zustand. Eine "Friedliche Revolution" wie beim Mauerfall.

Obwohl ich denke, dass viele nur deshalb auf die Straße gehen, weil sie den Job oder Studienplatz verloren haben, bin ich überzeugt davon, dass diese Proteste etwas Positives bewirken werden. Und ich freue mich immer wieder, wenn ich sehe, dass dies auch andere Menschen genauso empfinden und in ihrer Arbeit darauf aufmerksam machen. Wie Michael Michalsky in Berlin.



2) SERVOLUTION

Vor kurzem habe ich erzählt, wie sehr Berlin und Michael Michalsky Mode zusammenpassen. Und heute habe ich wieder einen Beweis dafür gefunden, dass Michalsky mit seiner Mode immer wieder genau den Zeitgeist trifft.

Aber zurück zum Anfang:

Ich wurde vor einer Woche mit anderen Bloggern und Journalisten von der PR-Agentur Brandzeichen zu einer Pressekonferenz eingeladen. Im Mittelpunkt standen der Top Fashion Designer Michael Michalsky und Stiftung Warentest-Doppelsieger Ariel.

Über die tolle Pressekonferenz habe ich schon berichtet, was ich aber heute vermitteln möchte, ist, dass an dem Tag nicht nur Michalsky und die Kooperation mit Ariel einfach stimmig waren, sondern auch das Drumherum perfekt war: Die erstklassige PR -Agentur Brandzeichen hat definitiv hochprofessionell gearbeitet.Auch im Nachhinein erfolgte mit zeitlicher Präzision die Übersendung von Bild-und Videomaterial, das ich in diesem Beitrag hinzugefügt habe.

Das mag vielleicht auf den ersten Blick völlig belanglos sein und ihr werdet euch vielleicht fragen: "Na und? Was hat eine PR-Agentur mit einer „friedlichen Revolution“ zu tun?"

Ich finde aber, dass genau hier einer der Kernpunkte liegt: Brandzeichen hat genau verstanden, was die vom Zukunftsforscher Harald Gatterer so gennante "Servolution" ist (die "Service revolution") und hat es mit Charisma und Professionalität zum eigenem Motto gemacht.
BZlogo

"Der Konsum allein", sagt Gatterer in der "Business Curier" (vom Donnerstag, dem 22. Oktober), "als reiner Kaufakt ist nun mal am Ende, der Kunde hat es satt einfach nur zu konsumieren, man will eine individuelle Note bei den Produkten oder Dienstleistungen erleben, man will involviert sein."

Solange Unternehmen rein profitorientiert sind und z. B. TV-Sender uns für dumm verkaufen wollen, indem sie uns per SMS-Quiz dazu auffordern (Minimum) 50 Cent dafür auszugeben und die Frage so easy gestellt ist, dass nicht mal ein Marsmensch falsch antworten könnte („Was war die Titanic, ein Schiff oder eine Banane?“)… und solange man uns verkaufen will, dass man mit einer SMS die Liebe finden kann oder erfahren kann wie lange eine Beziehung hält oder wann wir sterben werden.... wird uns klar: wir sind immer noch auf dem falschen Weg.


3) TWITTERED REVOLUTION

Im letzen Artikel habe ich geschrieben, „(...)Michalsky erkennt die Juwelen Berlins und baut diese in seiner Modelinie mit einer Eleganz ein, die in der Form keinen Vergleich findet. Wie bereits John F. Kennedys den weltweit bekannten Satz "Ich bin ein Berliner" aussprach, wirkt das, was Michalsky macht und sagt als ob er dazu aufrufen würde, die Mauern in den Köpfen einzureißen(...)“...und heute erfahre ich, dass ich mit dieser Empfindung von Michalsky richtig lag: Ich habe gelesen, dass der Berliner Stardesigner Michael Michalsky  an ein Revival der Mode wie aus den Zeiten des Mauerfalls glaubt.

„(...)Leggins, gebleichte Jeans im Moon-Washed-Look und Sweatshirts mit Fledermausärmeln: Die Mode wie aus den Zeiten des Mauerfalls ist seit geraumer Zeit wieder da. Das hat der Berliner Modedesigner Michael Michalsky, 42, beobachtet. "Was man nicht vergessen darf bei so einem Revival, ist, dass es nie so ist wie das Original", sagte Michalsky. Die Stoffe seien heute anders, auch durch die Kombination mit anderen Stücken sehe das Ganze nicht mehr aus wie früher. (...)“ QUELLE

Hier geht es natürlich nur um Mode und nicht um Politik, doch man fragt sich: Wie kommt Michalsky auf diese Idee? Wie kommen die Menschen auf die Idee, sich so zu kleiden? Gute Mode, wie gute Musik, sind oft ein Spiegel der Gesellschaft.

Und ich bin sicher der Modedesigner liegt richtig. Man braucht nur zu schauen, was die Studenten in Österreich veranstalten, und wie weit sich dieser Geist verbereitet hat...man spürt es: Ein revolutionärer Geist ist los gelassen und weckt alle auf. Michalsky fängt diesen Geist auf und zeigt: es passiert etwas. Etwas nimmt Gestalt an, sieht zwar änhlich aus wie in der Vergangenheit, ist aber doch modern.

Die Studentenproteste an mehreren Unis und das Motto "revolution is twittered" zeigen, dass der Geist der gleiche wie damals ist, aber die Mittel neu sind. „(...)Der Protest findet heute nicht nur in den besetzten Hörsälen und auf der Straße, sondern auch online statt - das Internet bietet maximale Erreichbarkeit bei minimalem Aufwand(...)“.QUELLE

4) DER MENSCH ZÄHLT

Großunternehmen wie Quelle machen dicht, Zeitungen können kaum überleben, Universitäten haben die bekannten Probleme....Warum? ...Weil es nicht genug ist, einfach an (zum Beispiel) der digitalen Revolution teilzunehmen, es geht endlich darum, den Menschen in den Vordergrund zu bringen. Zu verstehen, was der Mensch braucht, wie in der "Servolution". Und wo das nicht respektiert wird, geht etwas kaputt, Menschen verlieren Arbeitsplätze, Uni-Plätze ….und  Menschen rebellieren.


Der Beginn ist schon im Internet zu finden: Es ist nicht ausreichend präsent zu sein, man muss etwas Besonders anbieten, ansonsten landet man wieder wie Zeitungen bei der schwerwiegenden Frage: "Alles kostenlos geht nicht...Sollen wir die Artikel verkaufen?"

„(...)Die Strategie der Verlage, Ihre Inhalte ebenfalls gratis ins Web zu stellen und durch Werbeeinnahmen zu refinanzierien, geht aber nicht auf (…)“, schreiben Helmut van Rinsum und Leif Pellikan (auf W&F, Werben und Verkaufen, Oktober 2009, Nr. 44, Seite 56).

Kein Mensch braucht etwas zu kaufen, was sowieso woanders günstiger oder kostenlos zu bekommen ist (egal ob es sich juristisch in einer Grauzone bewegt).

Man muss dabei sein, doch nebenbei ganz klare Produkte und vor allem transparente Services anbieten, die die Kunden locker einbinden und nicht in irgendwelche Abos zwingen. Der Kunde soll sich soweit es geht persönlich identifizieren können.

Es ist nicht genug, wenn Universitäten im Internet präsent sind oder wenn die Studenten einen Online-Account haben. Nicht umsonst halten seit Wochen hunderte Studenten mehrere Räume der größten Universität im deutschsprachigen Raum besetzt: Während die Regierung Studiengebühren

wieder einführen und die Zugangsbeschränkungen ausweiten will, sind überlaufene Hörsäle, lange Wartezeiten und die Kommerzialisierung des Bildungssystems tatsächlich Probleme, die man nicht mit politischen Sprüchen oder farbigen Websites lösen kann. Was man hier will ist freien Zugang zu

Bildung, mehr Demokratie an den Unis und eine grundlegende Überarbeitung des Bachelor-Master-Systems.


5) WAS MUSS GESCHEHEN?

Wenn man nicht weiss, was man machen soll, ist es hilfreich zu schauen, was man zumidest ändern sollte an dem, was bisher war. Eben eine Form der „Umwälzung“, wie oben bereits erwähnt.

Man muss wie Michael Michalsky ein Gespür für den Zeigeist entwickeln und sich konkrete Fragen stellen. Studenten wie Kunden wollen nicht mehr konsumieren, solange man selber konsumiert wird. Studenten wollen verstanden werden, ernst genommen werden, sie wollen, dass ihre Probleme gelöst werden. Und Kunden möchten Produkte verstehen, Hintergründe erfahren. Rektoren/ Politiker/ Unternehmen sollten sich daher mehr mit den wahren Wünschen und Motiven der Menschen beschäftigen.

Es wird niemals klappen, wenn sich alle nur fragen: Wie kann ich noch mehr verkaufen? Wie kann ich noch mehr sparen? Sondern wenn man sich fragt: „Wie kann ich meinen potentiellen Kunden helfen?“ oder “was brauchen die Studenten wirklich?“

In diese Tagen, in denen man überall über Krisenzeiten redet, soll man als Student auch noch gezwungen sein einem Studienplan zu folgen, der kaum Platz für Flexibilität und Freiraum lässt. Nicht nur dass selbstständiges Denken/Entscheiden dadurch nicht gefördert wird (was eigentlich den wahren Reiz am Studium ausmacht!), auch hat man dadurch kaum die Möglichkeit, sich ein Arbeitsumfeld außerhalb des Studienplans zu organisieren. „(...) Studenten, die nebenbei jobben oder Kinder haben, geraten aufgrund der Leistungs- und Anwesenheitskontrollen in eine Zwickmühle (...).“ QUELLE

Warum dieser Zwang? Eine Lösung wäre zum Beispiel, Vorlesungen als Video im Internet anzubieten, wenn nicht gleich als Stream, dann zumindest als Download. So würden viele Mütter oder alleinerziehende Studenten nebenbei arbeiten können und die Hörsäle würden freier sein. Aber das ist nur ein Beispiel, ein Vorschlag von vielen, die naheliegen.


6) FAZIT


Michael Michalsky hat es 100% verstanden. Er macht nicht einfach Mode, indem er große Plakate aufhängt und die Kunden zur Kasse bittet, sondern er ist persönlich präsent. Zum Beispiel erzählt er in seinen lockeren Interviews mit "Hinter den Kulissen" -Charakter frei von seinen Ideen und man hat das Gefühl, man ist beim "Making Of", man erfährt etwas von seinem Wesen, das hinter seiner Mode steht. Michalsky lädt Blogger bei einer Pressekonferenz ein, um sie teilhaben zu lassen, um ihre Meinung zu hören. Er scheint hungrig nach Gedankenaustausch, nach Fragen, nach freiheitlichem Geist zu sein. Wenn die Blogger dann davon berichten entstehen so neue, kostenlose Inhalte rund um das Produkt, die das Produkt aufwerten, es persönlicher wirken lassen und bekannter machen.

Deswegen mag ich Michalsky besonders: Es geht nicht nur um seine Mode, sondern um das, was er mit seiner Mode transportiert. Seine Nähe am Geschehen und seine sanfte, durchdachte Rebellion ist mehr als modern, sie ist zukunftsweisend. An dem Tag, an dem wir erleben werden, dass auch Uni-Rektoren oder Politiker wirklich ein Gespräch mit Bloggern/Studenten suchen, auf Youtube ihre Gedanken einstellen, sich transparenter geben - wenn sie einfach mehr Mut zum Dialog haben, dann werden wir wissen, dass Michalsky Schule gemacht hat und dass unsere Proteste etwas gebracht haben.




MICHAEL MICHALSKY - VIDEO UND FOTOS ZUR PRESSEKONFERENZ






Ariel und Michalsky kick-off_low res

Michalsky-ariel

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